Heimatverein Pliening e.V.
  Gelting - Landsham - Ottersberg - Pliening

Aktivitäten des Heimatvereins:

05.12.2018  Treffen HV
09.12.2018  Weihnachtsmarkt
26.12.2018  7. Stefani-Ritt

Keltische Glasarmreifen in Landsham

Geschichte und Geschichten aus der Heimat von Willi Kneißl

Die erfolgreichen archäologischen Arbeiten auf den Feldern und Baugründen in Landshams Süden haben uns zahlreiche, historisch unschätzbare Neuigkeiten für unser Dorf zugebracht.

Besonders aufschlussreich, fast sensationell, waren Erkenntnisse über das Volk der Kelten, das von etwa 500 v. Chr. bis etwa 50 v. Chr. im gesamten Westeuropa siedelte und eine hochentwickelte Kultur schuf. Neben Grundrissen von Gebäuden gewährt die Grablege einer Familie Einblick in Brauchtum und Kult der Kelten von Landsham. In Grab 330 wurde das Skelett eines jungen Mädchens geborgen. Nebst einer bronzenen Scheibenfibel an der Schulter und mehreren bunten Glasperlen war der Toten ein kunstvoll verzierter Glasarmreif um den Oberarm gelegt worden. Dadurch nimmt diese Bestattung eine Sonderstellung unter den übrigen Körpergräbern ein. Vielleicht ist hier das Töchterchen des Hofherrn bestattet worden. Im Zuge der noch laufenden Grabungskampagne wurde auch ein keltisches Grubenhaus genauestens untersucht. Auch da kam ein Glasringfragment ans Tageslicht. Als im Sommer 2011 bei Erdarbeiten am heutigen Logistikpark Landsham nach prähistorischen Zeichen gesucht wurde, fand man dort neben Spuren keltischer Häuser ebenso einen gut erhaltenen Glasarmreif. Dieser Armschmuck scheint also bei den keltischen Damen unserer Region sehr beliebt gewesen zu sein. Man fragt sich, wo sie diese Kostbarkeiten beziehen konnten.

Die wichtigste keltische Stadt im Bereich der bei uns siedelnden keltischen Vindeliker, deren Namen wir nicht kennen, lag bei Manching, südlich von Ingolstadt. Bis heute ist der kreisrunde Stadtwall bestens zu erkennen. Mit einem Umfang von 7 km umschließt er ein ehemaliges Stadtgebiet von 380 ha. Meisterhafte Handwerker arbeiteten hier. Es gab u. a. erfolgreiche Glaswerkstätten. Man fand zahlreiche Bruchstücke von Glasarmreifen und eine Unzahl von Glasperlen. Es gab sie in Purpurrot, in Hellgrün und vor allem in Violettblau. Ein großer Brocken purpurfarbenes Rohglas wurde gefunden. Ohne Zweifel war man auf die Überreste einer keltischen Glaserei gestoßen.

Als Rohstoffe für die Herstellung von Glas benötigt man Quarzsand und Soda mit Beigaben von Kalk. Dieses Gemisch wird über einen längeren Zeitraum erhitzt und dann rasch abgekühlt. Durch Zugabe verschiedener Mineralien, z. B. Metalloxyde, gewann man kräftige Färbungen. Die Kelten haben Glas ausschließlich zur Herstellung von Schmuck verwendet.

Wie wurden aber diese wunderbaren Glasarmringe gefertigt, deren Querschnitt so dünn ist, dass sie zerspringen, wenn sie auf harten Boden fallen?

Der Glasbläser fasste etwas heiße, zähflüssige Glasmasse aus dem Schmelztiegel, durchbohrte es mit einem Dorn - auch Holzstäbe können durch langes Einweichen weitgehend feuerbeständig gemacht werden - und ließ es darauf über Holzkohlenglut heftig rotieren. Durch die so wirksame Fliehkraft erweiterte sich der heiße Glaspfropfen zu einem Ring, der durch eine begrenzende Schablone seine Form erhielt. So erklärt sich die Beobachtung, dass keltische Armringe stets nahtlos gearbeitet sind und die Innenseite immer glatt ist. Die Außenseite hat der Kunsthandwerker dagegen mit Hilfe von Zangen und Spachteln oft profiliert. Aufgelegte Glasfäden verstärkten die farbige Wirkung der Armringe und erzeugten ein kunstvolles Dekor.

Dieses Schleuderverfahren findet heute noch bei afrikanischen Handwerkern Anwendung. So waren Rückschlüsse auf die Arbeitsweisen keltischer Glasmacher möglich.

Die Herstellung von Glasarmringen setzt ab ca. 250 v. Chr. ein. In der vorangegangenen frühkeltischen Zeit trugen die besseren Herrschaften bronzenen Ringschmuck oder schwarzglänzende Armringe aus fossiler Kohle, dem so genannten Gagat, der sich als besonders polier- und schnitzfähig anbot und im nordböhmischen Bereich gesammelt wurde. Damit haben wir auch einen terminus post quem für die keltische Ansiedlung in Landsham.

Die hier arbeitenden Archäologen (Stefan Biermeier und Axel Kowalski GbR, SingulArch Grabungen) melden uns nach Tod und Begräbnis des keltischen Hofherrn und seiner Angehörigen eine abrupt abbrechende Siedlungstätigkeit im Bereich Landsham Süd.

September 2017 Willi Kneißl

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