Heimatverein Pliening e.V.
  Gelting - Landsham - Ottersberg - Pliening

Aktivitäten des Heimatvereins:

05.12.2018  Treffen HV
09.12.2018  Weihnachtsmarkt
26.12.2018  7. Stefani-Ritt

Keltischer Umgangstempel in Landsham

Geschichte und Geschichten aus der Heimat von Willi Kneißl

Schon der erste, flüchtige Blick auf das weite Bebauungsfeld in Landsham-Süd zeigt zahlreiche kleine und etliche größere meist kreisrunde schwarze, humose Flecken im fahlen, grauen Kies. Der Archäologe weiß recht schnell eine Ordnung in diesen Wirrwarr von historischen Zeichen aus ältester Landshamer Geschichte zu bringen. Er spricht etwa von Brunnen, Grubenhäusern und Pfostenlöchern. Letztere wiederum ordnet er einander so zu, dass man die Grundrisse von vorgeschichtlichen Häusern erkennen kann. Jedes Pfostenloch war einst Standplatz eines kräftigen Eichen- oder Buchenrundlings, der das Stroh- oder Schilfdach eines Hauses trug und die mit Lehm verschmierten Flechtwände festigte. Der Fachkundige vermochte so in Landsham Gebäude aus der frühen Bronzezeit (2000 - 1500 v. Chr.), der Hallstatt- und Keltenzeit (750 - 50 v. Chr.) und sogar der römischen Kaiserzeit zu identifizieren.

Abbildung 1: Entzerrtes Luftbild des Hebedrachens

Ein rätselhaftes und zunächst chronologisch kaum fassbares Phänomen war ein seltsames Gebäude mit einem zentralen Innenraum und herumführenden Umgang am nördlichen Rand des Grabungs-areals. Die Aufnahme der betreffenden Pfostenlöcher, vom Hebedrachen aus der Luft aufgenommen, zeigt deutlich seine Umrisse. Die anfängliche Vermutung, es könnte sich um ein römisches Wohnhaus handeln, wurde verstärkt, als beim weiteren Fortgang der Grabungsarbeiten in unmittelbarer Nähe zwei römische Brunnen festgestellt wurden und damit eine „villa rustica“, ein Bauerngut aus der mittleren römischer Kaiserzeit (117 – 284 n. Chr.) nachgewiesen war. Der Baustil des Umgangshauses weist freilich eindeutig in die keltische Bautradition, in die Zeit des keltischen Gräberfeldes aus der nächsten Nachbarschaft (250 v. Chr.). Gehörte es zu dessen Hofansiedlung?

Abbildung 2: CAD-Plan mit Bemaßung

Das Umgangshaus wurde genau nach dem keltischen Fußmaß geplant und konstruiert, wie es in der Hauptstadt der bei uns ansässigen keltischen Vindeliker zu Manching üblich war. Das Fußmaß betrug dort ca. 30,2 cm. Das Haus umfasste demnach außen eine Größe von exakt 45 x 40 kelt. Fuß. Der Innenraum maß genau 15 x 10 Fuß. Das entspricht 14,4 x 12,8 m außen und 4,8 x 3,2 m innen.

Als Rohstoffe für die Herstellung von Glas benötigt man Quarzsand und Soda mit Beigaben von Kalk. Dieses Gemisch wird über einen längeren Zeitraum erhitzt und dann rasch abgekühlt. Durch Zugabe verschiedener Mineralien, z. B. Metalloxyde, gewann man kräftige Färbungen. Die Kelten haben Glas ausschließlich zur Herstellung von Schmuck verwendet.

Abbildung 3: Zeichnerische Rekonstruktion eines Umgangsbaus:
I. Mate –Gäubodenmuseum Straubing

Man kommt nicht umhin, daran zu glauben, dass es sich hier um einen religiösen Tempel handelt. Der Gottesdienst für die Versammlung der Sippe mit Hörigen und Sklaven fand außerhalb statt. Dazu war der Tempel viel zu klein. Im Inneren war die Cella. Der Umgang diente in der Tat als Umgang für die Prozession der Druiden und Gläubigen. Aber was befand sich in der Cella, die nur durch eine enge Tür zu betreten war? Vielleicht war hier ein Kultbild verborgen. Vielleicht wurden hier Opfergaben von Fleisch und Früchten niedergelegt. Vielleicht brannte hier ein Feuer auf steinernem Altar. Von alledem findet sich im Landshamer Umgangstempel keine Spur. In mehreren oberbayerischen Viereckschanzen - von Erdwällen umgebene Keltenhöfe - fand man identische kleine Holztempelchen mit Cella und Umgang. Das könnte ein Hinweis dafür sein, dass jede Sippe und Großfamilie ihr eigenes Heiligtum errichtet hat, wo sie abgeschirmt und ungestört den streng vorgeschriebenen Ritus feierte. In dem Dörfchen Roquepertuse bei Marseille hat der keltische Stamm seinen Umgangstempel, sicher schon unter Einfluss der griechischen Kultur, - griechische Seefahrer hatten die Stadt Massilia (Marseilles) schon im 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet - in Stein errichtet. Er ist von den erobernden Römern zerstört worden. Man hat das steinerne Portal mit dem doppelten Durchgang wahrheitsgetreu neu errichtet.

Stefan Biermeier & Axel Kowalski GbR • SingulArch Grabungen, M-2017-769-2

März 2018 Willi Kneißl

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